|
Corel Ventura 8 ein Seitensprung? |
|
Die Idee zu einem DTP-Programm entwickelte 1985 John Meyer, Softwareentwickler bei Digital Research Inc. DRI hatte die unter MS-DOS arbeitende Betriebssystem-Oberfläche GEM entwickelt. Meyer stellte seine Idee dem Management vor, doch DRI wollte aus dem Geschäft für Applikationssoftware aussteigen und sich ganz auf sein Betriebssystem konzentrieren. John Meyer verließ darauf hin mit seinem Entwicklerteam DRI und gründete Ventura Software. 1986 war es dann soweit, die Version 1.0 von Ventura war fertig. Da Meyer keine eigene Vertriebsorganisation hatte, verkaufte er die exklusiven Vertriebsrechte an Xerox. Damit war eines der ersten DTP-Programme auf dem Markt; das Erste für den PC generell. Aufgrund dessen, dass John Meyer von DRI kam, werkelte im Untergrund das Betriebssystem GEM, das dem Programm zu legendärer Geschwindigkeit und Betriebssicherheit verhalf. Von 1986 bis 1989 wurden 200.000 Kopien verkauft. Im Jahr 1987 hatte Ventura sogar PageMaker überholt und war Marktführer. (Die Zahlen beziehen sich wahrscheinlich auf den amerikanischen Markt.) Im Zuge einer Reorganisation des Vertriebes von Xerox wurde 1989 Ventura Software von Xerox gekauft, der ursprüngliche Entwickler John Meyer schied aus. Im Sommer 1990 kam die Version 3.0 als GEM-, Windows- und OS/2-Version auf den Markt. Mit dem Wechsel zu Windows kam der Abstieg. Die erste Windows-Version war extrem langsam und mit so vielen Bugs behaftet, dass ein brauchbares Arbeiten nicht möglich war. Erst mit der nächsten Version 4.0 wurde dieses große Manko behoben, doch die starken Umsatzeinbrüche und der Verlust der Marktanteile konnte nicht wieder aufgeholt werden. 1993, 8 Jahre nach Beginn seiner Geschichte, wechselte das Programm erneut den Besitzer, vom renommierten Hersteller Xerox zum Grafikspezialisten Corel. 1995 kam die Version 5, die schon deutlich als Corel-Version zu erkennen war und als Bestandteil des Grafikpaketes Draw 5 ausgeliefert wurde. Mit der Version 7 brachte Corel 1996 eine komplett überarbeitete und neu programmierte Software, die ähnliche Schwierigkeiten brachte wie der Wechsel von GEM zu Windows und nur als englische Version verfügbar war. Die aktuelle Version 8, seit 1998 auf dem Markt, gibt sich alle Mühe, gleichzeitig die Anforderungen bisheriger Anwender zufriedenzustellen und sich als Alternative zu den etablierten DTP-Paketen zu behaupten. Die Programmstabilität knüpft an alte Zeiten an, und Ventura wurde erheblicher flotter. Laut einer Pressemitteilung von Corel ist bis Ende des Jahres eine Version 8.5 geplant. Diese Version enthält einige kleine Verbesserungen und Bugfixes. Im Zuge der Linux-Offensive von Corel soll zeitgleich mit der Windows-Version auch eine Linux-Version auf den Markt kommen. Der Ventura ist ein wahres Allround-Talent und hat inzwischen einen Funktionsumfang angenommen, der mehr als beeindruckend ist. Ventura zeichnete sich von Anfang an durch seine Fähigkeit aus, lange Dokumente, etwa Bücher und Kataloge, ohne größere Schwierigkeiten zu managen. Ob Bücher oder wissenschaftliche Dokumentationen, mit seinen ausgefeilten, aber nicht immer intuitiven Funktionen zum Anlegen von Inhaltsverzeichnissen, Indizes, Querverweisen, Fuß- und Endnoten macht dem Ventura kaum einer etwas vor. Inzwischen ist das Programm aber auch gewöhnlichen Aufgaben wie etwa Zeitschriftenlayout und Broschüren gewachsen. Es bietet klassisches Seitenlayout, Bildbearbeitung und Vektorgrafik unter einem Dach. Und es geht dabei weiter als die Konkurrenz. Die Arbeit mit einem speziellen Bildbearbeitungs- oder Grafikprogramm erübrigt sich in vielen Fällen tatsächlich. In vielen Bereichen hat das Programm von seinen Brüdern aus gleichem Hause abgeschaut, etwa beim Farbmanagement und der vorbildlichen Druckfunktion. Der Lieferumfang umfaßt neben dem eigentlichen DTP-Programm die Textverarbeitung WordPerfect, die Bildbearbeitung Photo-Paint und den Corel DataBase Publisher. Weitere Grafik-Dienstprogramme und Tools runden das Paket ab, einschließlich einem Document Type Definitions Editor für SGML-Dokumentationen. In einem speziellen Publishing-Paket ist auch Draw mit enthalten. Im Folgenden möchte ich Eigenschaften und Besonderheiten von Ventura, in Funktionsblöcke gegliedert, beschreiben. |